Frau Demirbüken-Wegner, CDU Abgeordnete, begründet ihre Ablehnung der geplanten modularen Unterkunft für Geflüchtete (MUF) am Paracelsus-Bad mit der Behauptung, dass die „sozialen Probleme in diesem Gebiet, also Reinickendorf Ost und West“ einen weiteren Zuzug nicht zuließen. Es folgt eine Reihe von Pauschalurteilen über die neuen Bewohner*innen, den Eltern wird Desinteresse an der Bildung und Erziehung ihrer Kinder unterstellt und im gleichen Schwung wird gleich noch behauptet, die Erzieher*innen seien überfordert! Anstatt die Bemühungen der Lehrer*innen und Erzieher*innen zu würdigen und die Aktivitäten des AVA-Quartiersmanagements und der vielen Ehrenamtlichen positiv zu beleuchten, redet Frau Demirbüken-Wegner den Kiez regelrecht schlecht. Man fragt sich wirklich, wo Frau Demirbüken-Wegner seit 2011 bzw. 2016 war, als sie den Wahlkreis 2 (Reinickendorf-West/Tegel-Süd) als Direktkandidatin für das Abgeordnetenhaus jeweils gewann.

Die drohende soziale Schieflage (viele Empfänger*innen von Transfereinkommen, mehr Arbeitslose als im Berliner Durchschnitt und eine höhere Kinderarmut) ist doch nichts Neues und hat auch nichts mit der geplanten Errichtung der MUF zu tun. Im Gegenteil: Die soziale Situation führte 2016 zur Gründung des Quartiersmanagements sowie des Quartiersrates. Seitdem ist viel passiert und die Situation im Kiez hat sich dank dieser Aktivitäten spürbar verbessert.

Schuld an der angeblichen Misere haben nach Auffassung von Frau Demirbüken-Wegner außerdem der rot-rot-grüne Senat, der angeblich nicht für die entsprechende Infrastruktur sorgt sowie die Zuzügler*innen aus südosteuropäischen EU-Ländern, deren Anwesenheit zu „einschneidenden Veränderungen im Straßenbild“ geführt habe und deren „Sozialverhalten“ irgendwie störe. Diese Worte aus dem Mund einer Integrationsexpertin ihrer Partei klingen wie Hohn und konterkarieren die Bemühungen der Engagierten, die Situation weiter zu verbessern.

Es bleibt nichts, so wie es einmal war. Wir leben in einer globalisierten Welt, die immer mehr in unseren Alltag eingreift und es nützt nichts, über Vergangenes zu jammern. Stattdessen sollten wir die Potentiale sehen und nutzen: Ich bin sicher, dass in fünf bis zehn Jahren auch dieser Teil unseres Bezirks so attraktiv wird wie heute schon manche Innenstadtkieze – bunt, lebendig und voller Energie!

Anstatt also das Schwarze-Peter-Spiel zu spielen und populistische Phrasen zu wiederholen, wäre es besser, alle Interessierten zu ermutigen, sich vor Ort einzubringen und mit der durchmischten Community ins Gespräch zu kommen.  Angebote dazu gibt es nämlich eine ganze Menge!

Wie sagte Michelle Obama vor einigen Jahren doch so schön: „It takes a village to raise a child!“ Ja, es ist nötig, dass sich ein ganzes Dorf darum kümmert, dass die Kinder groß werden – zu unser aller Vorteil!

Mit freundlichen Grüßen, Cherim Adelhoefer, Sprecherin für Integration und Wirtschaft Fraktion Bündnis90/Die Grünen in Reinickendorf

 

Den Leserbrief könnt ihr auch unter diesem Link finden:

Reinickendorf 10.7.2019